Aus: Gesprächen mit Betroffenen 2011

 

Um 1960: In Kramsach war es furchtbar, diese Anstalt hat mich am meisten negativ geprägt. Zwei Jahre war ich drinnen, mit 12/13. In diesem Heim war man alles, nur kein Mensch. Wegen jeder Kleinigkeit wurde gestraft. Du hast nicht einmal gewusst warum. Schuldgefühle haben sie dir eingeimpft, kein Selbstwertgefühl, nur Schikanen, Beschimpfungen, Misshandlungen und unaufhörlichen Demütigungen. Auch von einer Mitgefangenen bin ich geschlagen worden, da ist niemand dazwischen gegangen.

Wenn wer auf Flucht gegangen ist, wurden der die Haare abgeschnitten oder wir mussten sie selbst schlagen als Strafe. Die Angst dabei kann man sich nicht vorstellen, einige von uns wurden aber auch regelrecht brutal gemacht. Gruppenstrafen waren üblich, auch wenn gar nichts war. Immer konnte irgendwas sein, aus heiterem Himmel.

 

Ende der 1960er Jahre: Wenn ich angeblich irgendwas angestellt habe, gab es Schläge oder ich wurde lange Zeit in einem Raum eingesperrt. Eigentlich bin ich dann isoliert worden, sprechen durfte auch niemand mit mir. Mehrmals bekam ich zu hören: „Wenn Adolf leben würde, hätten sie dich vergast oder in ein Arbeitslager gesteckt.“

https://www.heimerziehung.at//heimkinder-erzahlen/kramsach
Abgerufen am: 21-01-2019