Erziehungsziele

In den Einweisungsbegründungen der Jugendämter und Gerichte werden als Ziele der Fürsorgeerziehung das Verhindern des Abgleitens in die Verwahrlosung genannt, weiters sollte einem bereits fortgeschrittenen Verwahrlosungsprozess Einhalt geboten werden, um aus dem Kind und Jugendlichen (wieder) ein „brauchbares Mitglied der menschlichen Gesellschaft“ zu machen. Es ging also darum, dass sie ihren Platz in der Gesellschaft einnahmen: als fleißige Arbeitskraft, Mutter, Haus- und Ehefrau, als erwerbsarbeitender Familienernährer. Und sie sollten die gesetzlichen Vorschriften und die herrschenden Sexualnormen einhalten. Also, ein bürgerliches Leben führen.

„Totale Institutionen“

Die Heime waren als „totale Institutionen“ organisiert. Die innere Organisation bestimmte den Alltag der InsassInnen, für die eine billige Massenerziehung vorgesehen war. Das Leben im Heim war völlig bürokratisiert: Die Heimstruktur regelte die Beziehungen und jede Verhaltensmöglichkeit. Die HeimbewohnerInnen waren im höchsten Maße fremdbestimmt. Die Aufrechterhaltung des Massenbetriebes unter dem Vorzeichen eines überaus schlechten Betreuungsschlüssels hatte oberste Priorität, dem sich alle und alles unterzuordnen hatten. Bei Entscheidungen, die sie betrafen, wurden die Zöglinge nicht miteinbezogen. Die Kinder- und Fürsorgeheime stellten selbst den Anspruch, eine „familienähnliche“ Ersatzerziehung durchzuführen. Dennoch wurden im Widerspruch dazu die Kinder und Jugendlichen nach dem Geschlecht in getrennte Heime gebracht oder in getrennte Häuser eines weitläufigen Heimareals einquartiert. Die altersmäßige Gruppeneinteilung war nicht nur familien-, sondern auch weltfremd. Der Familienanspruch der Ersatzerziehung wurde nicht erfüllt.

Die Heime waren bereits durch ihre Bauweise und zumeist aufgrund ihres abgelegenen Standortes von der Außenwelt abgeriegelt. In die Stadt, ins Dorf und in Kontakt mit Gleichaltrigen kamen die Kinder und Jugendlichen kaum, auch die Beschulung fand mehrheitlich separiert statt. Noch 1995 wurden die Heimkinder der Bubenburg in Fügen „die Geschlossenen“ genannt.

https://www.heimerziehung.at//gewaltsystem-heim/erziehungsziele
Abgerufen am: 21-01-2019